Norwegen
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Abenteuer Arktis – bei den Walen im hohen Norden

Klare Luft, die Weite der norwegischen Polarlandschaft und die Geräusche des Meeres. Unterbrochen vom Atmen eines Wales. Eines Wales? Zunächst haben wir Pech – die Wale sind nicht wie um diese Jahreszeit üblich vor der Küste Tromsøs zur Jagd versammelt. Am Ende unserer Expedition werden wir aber hunderte von Walen gesehen haben und doch nicht satt sein.

Pure North – Walbeobachtung im hohen Norden

Normalerweise schalte ich beruflich Facebook Ads oder lasse sie schalten – diesmal klicke ich selbst auf eine und ehe ich es mich versehe, frage ich bei Pure Venture Forschungsreisen nach, ob noch ein Platz für die Orca-Expedition in Norwegen zu haben ist, die mir Facebook da auf meine Chronik gespült hat. Und tatsächlich – es gibt noch einen Platz. Das hier soll also sein und so buche ich kurzerhand und verbringe von hier an ganz schön viel Zeit mit Vorfreude und der Frage, wie sich mein Asthma mit arktischen Temperaturen und ganzen Tagen auf dem Wasser vertragen wird. (Super übrigens. Es ist durch den Golfstrom nicht ganz so eisig und die sehr saubere Luft tut meiner Lunge gut).

Kurze Momente lassen sich die quirligen Schwertwale an der Oberfläche sehen, dann sind sie auch schon wieder abgetaucht.

Und was zieht man eigentlich an auf so einer Expedition? Wie viele Akkus frisst meine Kamera in der Kälte und was werden das für Leute sein? In meiner Phantasie bin ich von lauter Meeresbiologienerds und Schildkrötenrettern umgeben, die den ganzen Tag fachsimpeln.

Erste Station unserer Gruppe: Die kleine Insel Vengsoy

Reiseveranstalter ist der Meeresbiologe Sebastian Striewski mit seinem Unternehmen Pure.Venture Forschungsreisen. Der Kontakt ist angenehm. Sebastian kümmert sich schon vor Expeditionsbeginn darum, seine Teilnehmer kennenzulernen und Erwartungen abzustecken, Fragen zu klären und Sicherheit zu vermitteln. Die Arktis wirft bei den meisten Teilnehmern einige Fragen auf. Im November 2017 ist es dann endlich so weit. Ich habe mir ein bisschen mehr Urlaub genommen und nähere mich dem hohen Norden zunächst mit einem kleinen Roadtrip, der mich über Kopenhagen und Göteborg nach Oslo führt. In Oslo verbringe ich ein paar sehr schöne Tage, ehe ich mich in den Flieger nach Tromsø setze.

Ankunft in der Arktis

Knapp zwei Stunden dauert es dann noch von Oslo nach Tromsø. Mein Flug geht während der knappen Stunden Tageslicht, so dass ich die arktische Landschaft vor der Landung genießen kann.

Landeanflug auf Tromsø

Ich habe mir vor und nach der Ankunft jeweils noch zwei Nächte in Tromsø reserviert – wenn ich schon einmal so hoch im Norden bin, möchte ich den kleinen Ort in Ruhe erkunden und es lohnt sich. Was das lebendige Tromsø zu bieten hat – von Hundeschlittenfahrten über nette Cafés und interessante Museen – erfahrt Ihr hier.

In Tromsø werden wir von Sebastians Team eingesammelt und fahren von hier auf die kleine Insel Vengsoy. Hier hat es in den letzten Jahren direkt vor der Küste jede Menge Buckelwale und Orcas gegeben, die auf der Jagd nach den großen Heringsschwärmen zu beobachten waren.

Tromsø, Arctic Cathedral

Schon zwei Tage vor unserer Tour informiert uns Sebastian, dass in diesem Jahr leider alles anders ist. Die Heringsschwärme hatten zwar schon kurz vor der Küste gestanden und die Wale im Schlepptau, doch das war nur von kurzer Dauer – die erste Gruppe hatte in ihrer Woche auf Vengsoy nicht einen Wal gesichtet. Wir bleiben erst einmal optimistisch. Die Natur ist kein Zoo, in dem die Tiere auf uns warten und vielleicht haben wir ja doch noch Glück. Während wir in Ruhe in unseren Hütten ankommen und uns kennenlernen, setzt Sebastian Himmel und Hölle in Bewegung, um uns das Erlebnis, für das wir alle hier sind, doch noch zu ermöglichen. Erst einmal erkunden wir aber die kleine Insel und genießen das Polarlicht.

Polarlichter: Der Himmel tanzt

Es ist nicht nur eine gute Jahreszeit, um Wale zu beobachten – jetzt im Winter ist Tromsø auch der perfekte Ort, um Polarlichter am Himmel zu sehen. In Nächten mit starker Aktivität kann man diese trotz des Streulichtes in der Stadt sehen, richtig spektakulär wird es dann aber, wenn man sich einen Ort sucht, an dem es so richtig dunkel ist. Also einfach raus aus der Stadt und in unserem Fall weg von den beleuchteten Häusern der Insel.

Gleich an unserem ersten Abend auf Vengsoy ist es so weit und so stapfen wir durch das Dunkel und bringen unsere Stative in Position. Sebastian geht geduldig mit jedem einzelnen Teilnehmer die optimalen Kameraeinstellungen für die Polarlichtfotografie durch und so haben wir am Ende alle das ein oder andere brauchbare Bild im Gepäck.

Was Ihr dafür braucht? Ideal ist es, ein Weitwinkelobjektiv zu verwenden, den ISO-Wert auf ca. 1600 zu setzen und mit einer Belichtungszeit von drei bis zehn Sekunden zu experimentieren. Ein Fernauslöser ist auch keine schlechte Idee, damit die Bilder nicht verwackeln. Viele W-lanfähige Kameras lassen sich ja auch gleich über die Handy-App bedienen, so dass Ihr nicht wackelt. Und den Bildstabilisator solltet Ihr abschalten.

Polarlichter über Tromsø , Foto: Shutterstock

Ganz so grün wie die Lichter auf Bildern wirken sind sie in der Realität dann übrigens doch nicht. Erst durch das längere Belichten kommt das Grün ganz klar hervor.

Umzug nach Skjervøy

Die Wale sind da – nur eben noch einmal ein Stück weiter die Küste hinauf. Vor dem kleinen Skjervøy haben sich Heringsschwärme eingestellt und die Fischer melden Walsichtungen. Innerhalb von zwei Tagen organisiert Sebastian mit seinem Team bezahlbare Unterkünfte, drei Boote und An- und Abtransport für unsere Gruppe und so ziehen wir weiter in den Norden. Die Expedition wird zwar durch den Umzug noch einmal 500 Euro teurer, aber in dem Wissen, dass wir nun das sehen werden, wofür wir gekommen sind, ziehen wir alle mit. Sebastian, der sich an der Situation wirklich abarbeitet, übernimmt sogar einen Teil der Mehrkosten für uns.

Buckelwal vor der Küste von Skjervøy. Foto: Peter Steffen

Nach einer Nacht im Hotel in Skjervøy geht es am nächsten Morgen gleich aufs Wasser. Und was für ein Tag uns da erwartet.

Der Wal Deiner Wahl

Kaum sind wir richtig auf dem Wasser angekommen, geht es auch gleich schon los und wir werden von den ersten Walen begrüßt. Ich habe auf meinen Reisen schon desöfteren Buckelwale sehen dürfen und es war jedes Mal sehr beeindruckend, aber was sich uns hier zeigt, sprengt jegliche Vorstellungskraft und auch Fotos werden diesem Tag nicht einmal annähernd gerecht.

Genau vor unseren Augen spielen sich beeindruckende Jagdszenen ab. Hier tauchen gerade die Buckelwale auf. Foto: Mattias Thomas

Innerhalb kürzester Zeit kommen aus allen Richtungen Gruppen von Orcas auf uns zu – unsere Boote stehen plötzlich mitten im Geschehen. Riesige Möwenschwärme füllen den Himmel und geben Aufschluss darüber, wo sich gerade der Hering bewegt.

Auch der Orca-Nachwuchs war immer wieder zu sehen. Foto: Peter Steffen

Immer voller und dynamischer wird es im Wasser, während wir aus dem Staunen nicht herauskommen und gar nicht wissen, wohin wir die Kamera oder auch nur den Blick richten sollen.

Foto: Peter Steffen

Eines unserer Boote steht genau zwischen den Buckelwalen, die mehrere Male zum Spyhopping auftauchen. Überall kocht das Wasser, das große Fressen ist in vollem Gange. Immer mehr Möwen, Wale und auch Seeadler schlagen sich den Wanst mit Heringen voll und wir bekommen einen großartigen Film geboten.

Sebastian zählt die Gruppen der Wale durch. 100 Buckelwale und 300 Orcas sind es in etwa. Das kriegen auch gestandene Meeresbiologen nicht alle Tage zu sehen.

Sonnenuntergang in der Arktis. Kaum ist die Sonne fast da, ist sie auch schon wieder weg.

Dann wird es auch schon Zeit für uns aufzubrechen, denn die Dunkelheit kommt in der Polarnacht sehr schnell. Auch am nächsten Tag sehen wir noch einige Wale und genießen die Zeit, aber der erste Tag auf dem Wasser wird für immer unvergesslich bleiben.

Aus dem Meer in die Pfanne: Frischer Fisch

Wer mag, kann nach den Ausfahrten noch im Fjord nahe unserer Unterkunft die Angel auswerfen. Die Gegend ist sehr fischreich und so dauert es nur Minuten, ehe die ersten Fische beißen.

Wer beißt denn da?

Unsere Superskipper Max und Erik zeigen den Anglern noch, wie man den Fisch ausnimmt und am Abend freuen wir uns alle über den frischsten Fisch, den die meisten von uns je gegessen haben. Ich muss zugeben, dass ich keine passionierte Fischesserin war, aber am liebsten möchte ich gar nichts anderes mehr essen als den frisch gebratenen Dorsch.

Auch wenn Kristina am nächsten tag den größten Dorsch mit etwa 10,5 Kilo Gewicht fängt – am besten schmecken die jüngeren 70cm-Kaliber am Vortag.

Fangfrischer Rotbarsch zubereitet von unserem Nicht-Fischesser Jussu

Jussu, der gar keinen Fisch isst, aber die Angel fleißig auswirft, verwöhnt uns on top noch mit zwei Rotbarschen. Ein paar Bratkartoffeln in die Pfanne, ein Bierchen dazu und wir haben das beste Festmahl der Reise. Es sind doch immer wieder die einfachen Dinge, die einem im Leben die schönsten Momente schenken. Nur vergessen tut man das zu leicht!

Frischester Dorsch

Unsere Gruppe ist übrigens super und einen Schildkrötenretter haben wir auch nicht dabei. Motion Designer, Hundezüchter, ein SEK-Beamter etc. – wir sind gut gemischt und haben zusammen viel Spaß. Und so ist es auch schade, als die Woche zu Ende geht. Arktis, wir sehen uns wieder!

Hier noch ein paar Eindrücke für Euch:

 

 

3 Kommentare

  1. Hallo Nina, du beschreibst auf sehr emotionale und spannende Weise einen augenscheinlich traumhaften Trip in die ohnehin schönste Region der Welt (wir sind da ohnehin nicht mehr objektiv….). Es hat Spaß gemacht dir zu folgen und deine Erlebnisse zu teilen. Leider ist damit unser Fernweh auch wieder befeuert…. Hab ein schönes Wochenende, Conny und Sirko

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