Bali, Reiseziele
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Bali – ein Besuch im Krankenhaus

Auf einer Fernreise krank zu werden oder ins Krankenhaus zu müssen, ist etwas, vor dem sich viele Traveller fürchten. Es ist die Angst vor dem Unbekannten und das Wissen, in Deutschland in einem Land mit einer qualitativ hochwertigen Versorgung zu leben. Auch ich freue mich nicht gerade, wenn es mich auf Reisen ‚erwischt‘. Aber auf Bali wird ein Besuch im Krankenhaus fällig. Sicherheitshalber.

Mit Carole bin ich in Lovina, an der Nordküste Balis, zum Delfine gucken. Auf dem Weg zurück ans Land fahren wir an einem kleinen Riff entlang. Ich kann eine Abkühlung gut vertragen und das Wasser ist kristallklar, eine Menge Fische ist bereits vom Boot aus zu sehen. Also nichts wie rein. Dumm nur, dass unser Guide die Leiter vergessen hat – ein bisschen fühle ich mich kurz wie bei open water, aber hey, das Boot ist klein, da kommen wir schon wieder rauf.

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Fliegengewicht Carole schafft es mit ach und krach, weil ich von unten schiebe und der Guide zieht. Als ich an der Reihe bin, tue ich mir ganz schön am Brustkorb weh und das gleich zweimal hintereinander. Ich habe gleich das Gefühl, dass das kein Schmerz ist, der in fünf Minuten nachlässt und leider behalte ich recht. Innerhalb der nächsten 24 Stunden werden die Schmerzen immer intensiver, besonders am linken unteren Rippenbogen.

Ich habe mir bereits zweimal eine Rippe gebrochen – beide Male hat es hierzu nicht viel gebraucht und neben den Schmerzen wächst die Beunruhigung. Lieber gehe ich auf Nummer sicher.

Gegenüber vom Hotel sitzen immer eine Menge Männer, die Taxifahrten anbieten. Ich bin immer mit der Vespa unterwegs, aber nun heuere ich einen der Fahrer an, um mit mir ins Krankenhaus zu fahren.

Ping – der Fahrer – spricht ganz gut englisch und bietet mir erst eimal an, dass wir auch zu einem indonesischen Heiler fahren können. Ich würde das sicher komisch oder lustig finden, aber es hilft. Ich bin neugierig, möchte aber trotzdem erst einmal bei einem ‚regulären‘ Arzt vorbeischauen. Ping bringt mich in ein Krankenhaus etwas außerhalb, das eigentlich nur von Balinesen frequentiert wird. Da Röntgen keine Raketenwissenschaft ist, finde ich das ok – ist sicher auch preiswerter.

Das Krankenhaus ist gut organisiert. Nach zwei Fragen geht es zur Patientenaufnahme. Während meine Daten aufgenommen werden, kopiert auch schon eine Schwester meinen Reisepass. Sofort nach der Aufnahme komme ich dran. Da ich kein Notfall bin, hatte ich mit einer langen Wartezeit gerechnet und bin positiv überrascht, weiß aber nicht, ob ich bevorzugt behandelt werde, weil ich die einzige Westlerin weit und breit bin.

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Auf geht’s und ich hoffe, dass es ’nur‘ eine Prellung ist – die schmerzhaftere, aber trotzdem bessere Variante.

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Ob ich schwanger bin oder Schmuck trage, interessiert nicht – „freimachen bitte“, aber nicht ganz so frei wie zuhause. Im OP-Leibchen wird geröntgt. Thoraxaufnahme und zurück zu Dr. Made Gunawan, der mir freudestrahlend mitteilt, dass nichts gebrochen ist, dass ich aber wegen der Prellung erst einmal auf Aktivitäten verzichten soll. Ich verabschiede mich von meinem Plan, hier noch surfen zu gehen.

Dr. Gunawan und die Schwester

Dr. Gunawan und die Schwester

Für die Konsultation des Arztes und das Röntgenbild zahle ich 258.000 Rupiah, das sind knapp 17 Euro. Selbst Ping ist erstaunt, dass ich so günstig wegkomme – eine Konsultation bei einem Spezialisten kostet 250.000 Rupiah, sagt er, und da ist das Röntgenbild nicht dabei. Es liege sicher daran, dass der Arzt Allgemeinmediziner sei.

Das kleine Krankenhaus hat nicht nur Röntgen, sondern auch ein CT und einen Onkologen, wie ich auf den Hinweisschildern lesen kann.

Zwischen Röntgenaufnahme und Verkündung des Befunds unterhalte ich mich länger mit Ping. Er arbeitet seit 30 Jahren mit Touristen, sein Bruder ist Reisbauer – der Reis wird nicht verkauft, sondern selbst verbraucht. Überhaupt hat Indonesien nicht genug Reis und muss aus Thailand importieren.

Pings Bruder heißt Pong – kein Witz – ich muss mich bemühen, ernst zu bleiben. Ping erzählt mir von seiner Tochter (15) und seinem Sohn (11), die morgens nicht aus dem Bett kommen, weil sie zu lange Fernsehen gucken. Manchmal schaltet er den Strom ab, aber dann spielen sie mit ihren Handys rum. Sie wollen nicht verstehen, wie wichtig die Schule für ihre Zukunft ist – wie universell doch manche Dinge sind und gleichzeitig ist sein Wunsch für seine Kinder so viel existentieller.

Pings Mutter leitet unter Arthritis, die Familie hat wenig Geld. Ping erzählt mir von Dr. Bobby, einer amerikanischen Ärztin, die eine Stiftung gegründet hat und eine Menge Menschen kostenlos untersucht.

Ping wartet auf mich.

Ping wartet auf mich.

Ich erfahre von Ping noch einiges mehr, das ich nicht wusste. Sein Bruder und er wissen nicht genau, wie alt sie sind oder wann sie geboren wurden – das kenne ich auch aus anderen Ländern. Auf die Frage, welches Geburtsdatum denn in seinem Pass steht, erfahre ich, dass er gar keinen Pass hat und dass es auch gar nicht so einfach ist, einen zu bekommen.

Das Reisfeld möchten sein Bruder und er behalten. Ping kann nicht verstehen, warum andere Menschen in und um Ubud ihre Reisfelder verkaufen, nur um an Geld für einen Roller zu kommen. Ich freue mich, dass er so denkt, denn Ubud scheint bereits fest in der Hand der Expats Community zu sein und vielen Balinesen entzieht das die Lebensgrundlage.

Ping ist total lieb. Er freut sich mit mir, dass nichts gebrochen ist und sagt mir, dass er das sehr gehofft hatte. Obwohl er lange Zeit mit mir unterwegs ist, ist er beim Preis sehr fair. Wir haben nicht vorher verhandelt, was ich sonst immer tue. Dankbar runde ich gerne auf und wir freuen und beide. Wieder ein Tag auf Reisen, an dem ich mich freue, einen tollen Menschen getroffen zu haben.

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10 Kommentare

  1. Hallo Nina, hat Dir schon jemand gesagt, dass sich Deine Berichte ganz toll lesen und Du unheimlich unterhaltsam schreibst? Wenn nicht, dann mach ich das jetzt mal. Auf der Suche nach Beiträgen, die mir helfen die Balinesen besser zu verstehen, habe ich Deinen Blog entdeckt und gleich mal fast alle Beiträge gelesen. Ich glaube wir sind zeitgleich auf Bali. Es ist so toll hier und manchmal finde ich mich in Deinen Blog-Posts wieder. Viel Spaß bei Deinem Sabbatical, die Fidi.

    • Wow, danke, Fidi! Das ist tatsächlich das erste Mal. Ich freue mich sehr über Dein Feedback. Wo bist Du denn gerade auf Bali unterwegs? Liebe Grüße, Nina

      • Gerne doch, gute „Arbeit“ muss auch mal belohnt werden. Bin gerade nach 5 Tagen Ubud zurück in Canggu. Viele Grüße

  2. Christina sagt

    Hallo Nina.
    Kannst du mit bitte das akrankenhaus sagen?bzw den Namen u Wo? Wir sind mit unserem 2 jährigen Sohn in Bali u er hat einen gebrochenen Arm und wir müssen röngten und einen neuen Gips machen!Lg

    • Hi Christina, ich bin nicht zuhause und kann deshalb nicht in meine Unterlagen schauen. Es war ein paar Kilometer außerhalb Ubuds. Es gibt aber sonst auch internationale Krankenhäuser. Einfach mal googeln oder die Locals fragen. Habt Ihr eine Zusatzversicherung?

  3. Christina sagt

    Hi Nina kannst du mir irgendwann im Laufe des Tages eventuell mehr sagen? Nein wir haben keine Zusatzversicherung.(noch nicht) wir würden gerne in ein local Krankenhaus gehen.da es ja wirklich nur um einen Gipswechsel geht! Ungefähr weißt du den Namen auch nicht oder?lg

    • Ich finde die Rechnung nicht mehr, aber es könnte das RSUD Sanjiwani Gianyar gewesen sein. Zumindest den Fotos nach. Sorry!

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