Indien
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Incredible India – Jodhpur, die blaue Stadt

Mit Sushi und Anke teile ich mir die Fahrt nach Jodhpur. Erster Halt ist nach ca. 2,5 Stunden das Fort von Kumbhalghar. Seit 2013 ist das Fort als Weltkulturerbe gelistet. Die zweitgrößte Festungsanlage Rajasthans hat eine 36 Kilometer lange Mauer und ruht beeindruckend auf einem Hügel, von dem sich ein wunderschöner Ausblick bietet. Eine Stunde lang erkunden wir das Fort, ehe wir nach Ranakpur weiterfahren.

Kumbhalgarh

Kumbhalgarh

Kumbhalgarh

Kumbhalgarh

Meine Reisebekanntschaften: Anke und Sushi

Meine Reisebekanntschaften: Anke und Sushi

In Ranakpur steht der größte Jain Tempel Indiens, gebaut aus cremefarbenem Marmor. Insgesamt verfügen die Gebäude der Tempelanlage über 1.444 Säulen, von denen keine der anderen gleicht. Der Detailreichtum ist beeindruckend. Nach etwa zwei Stunden geht es weiter – Jodhpur wartet.

Jain Tempel, Ranakpur

Jain Tempel, Ranakpur

Im Jain Tempel

Im Jain Tempel

Wir kommen im Krishna Prakash Heritage Haveli unter. Eine wirklich schöne Unterkunft, von der sich ein toller Blick auf das Fort bietet. Im Rooftop Restaurant lassen wir den Tag bei einem leckeren Abendessen ausklingen – für ein Aloo Ghobi (Kartoffeln mit Blumenkohl in einer leckeren sämigen Sauce), ein Garlic Naan und zwei Getränke zahle ich umgerechnet nicht einmal zwei Euro.

Krishna Prakash Heritage Haveli

Krishna Prakash Heritage Haveli

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In meinem Zimmer gib es weit oben ein kleines Fenster und es versammeln sich immer mehr Mücken im Raum. Auf die Bitte, ob jemand das für mich nicht erreichbare Fenster schließen kann, wird mir gesagt, es kommt jemand mit einer Leiter – ich muss mich zusammenreißen nicht laut zu lachen, als ich die abenteuerliche Konstruktion sehe, aber sie erfüllt ihren Zweck. Auch wenn sich mittlerweile ein ganzes Heer an kleinen Blutsaugern im Zimmer versammelt hat und ich mich deshalb von Kopf bis Fuß mit Nobite einsprühe. In diesem Jahr gibt es besonders viele Fälle von Malaria und Dengue Fieber in Indien, weshalb ich lieber etwas vorsichtiger bin.

Die "Leiter"

Die „Leiter“

Schon in Udaipur hatte ich angesichts der ganzen Abgase und des Verkehrs ein wenig Kopfkino. Ich bin Asthmatikerin und stellte mir vor, wie es hier wohl ablaufen würde, sollte ich einen heftigen Asthmaanfall haben, was angesichts der wirklich unfassbar schlechten Luft nicht wirklich abwegig ist. In Jodhpur ist die Luft noch verpesteter und im Kopfkino läuft wieder ein kleiner Film. Ich merke, dass ich mir mehr Ruhephasen einplanen muss, damit ich stärker bin als die Angst. Man lernt ja auf Reisen immer dazu.

In Jodhpur werden überall Omeletts angepriesen – es ist schon kurios, was so ein Lonely Planet Beitrag ausmacht. Ein Platz wird besonders für seine Omeletts gelobt und schon schießen ringsherum 30 Omelett Stände wie Pilze aus dem Boden. Geschäftstüchtig ist man in Indien sehr und eine Empfehlung in der Reisebibel bedeutet Bares.

lecker Omelett

lecker Omelett

Auf dem Sardar Market am alten Uhrenturm decke ich mich mit Gewürzen ein – indisch kochen lernen ist nach dieser Reise ein Muss. Ich liebe das Spiel mit den Händlern und bleibe hartnäckig – am Ende sind beide Seiten zufrieden. Warum kann man zuhause nicht handeln?

Uhrentrm, Jodhpur

Uhrenturm, Jodhpur

Markt, Jodhpur

Markt, Jodhpur

Markt, Jodhpur

Markt, Jodhpur

Mit Sushi verbringe ich mehrere Stunden damit, den perfekten Wandteppich mit Elefantenmotiv zu finden – eigentlich bin ich nicht die große Souvenirjägerin, aber irgendwie muss das mal sein.

Am nächsten Tag wollen wir zu dritt die Stadt erkunden. Wir handeln einen Preis für vier Stunden aus und teilen uns eine Motorrikscha. Durch die Smogwolken fahren wir zunächst zum Umaid-Bhawan-Palast, dem Palast des Maharadschas von Jodhpur, der auf einem Hügel über der Stadt liegt und mich – warum auch immer – an den Buckingham Palace erinnert. Der Maharadscha Umaid Singh hatte den Palast in den 20er Jahren als Beschäftigungsmaßnahme in Auftrag gegeben, als auf eine Dürre eine Hungersnot folgte.

Umaid-Bhawan-Palast

Umaid-Bhawan-Palast

Weiter geht es zum anderen Ende der Stadt zu den Mandore Gardens, einem ungepflegten, aber interessanten Park, wo wir ein wenig spazieren.

Polizist im Park

Polizist im Park

Im Park

Im Park

Später genießen wir vom marmornen Jaswant Thada den Blick auf die Stadt.  Von hier hat man auch einen schönen Blick auf die nahe gelegene Festung Mehrangarh.

Jasawant Thada

Jaswant Thada

Jaswant Thada

Jaswant Thada

Jaswant Thada

Jaswant Thada

Blick von der Festung

Blick von der Festung aufs Jaswant Thada

Die Festung schauen wir uns anschließend an und müssen ganz schön durchhetzen, auch einen Audio Guide kriegen wir nicht mehr, weil nicht mehr lange geöffnet ist. Trotzdem lohnen die 300 Rupien Eintritt. Der Anblick des blauen Erstrahlens der Stadt in der herabsinkenden Sonne, der dahinter liegenden Hügel, die in allen Schattierungen daliegen und der Unmengen von Vögeln am Himmel ist unfassbar schön und lässt sich leider auch nicht wirklich im Bild festhalten. Das ist einer dieser Momente, die man im Herzen behält.

Wollt Ihr wissen, warum Jodhpur blau ist? Blau ist die Farbe der Brahmanen, aber heute sind auch die meisten anderen Häuser in Jodhpur blau gesrichen. Es ist wirklich ein einzigartiger Ort.

Mehrangarh Festung, Jodhpur

Mehrangarh Festung, Jodhpur

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Das Ende der Tour hat einen bitteren Beigeschmack. Unser Fahrer, der wirklich super lieb war, bittet uns, ihm ein wenig mehr Geld zu geben, weil wir unsere vier Stunden doch gut überzogen haben, und wir alle drei verneinen. Er guckt traurig und weg ist er. Nach kurzem Nachdenken pack mich das schlechte Gewissen. Er hat den ganzen Tag in der brütenden Hitze gewartet, während wir uns die Sehenswürdigkeiten seiner Stadt angeschaut haben – er hat uns einen wirklich guten Preis gemacht, und er hat uns erklärt, dass er in der überzogenen Stunde das Abendessen für seine Familie hätte verdienen können. Und wir knallen ohne zu zögern viel zu viel Geld für eine Dose Coke auf den Kopf, aber dem Mann ein paar Cent mehr zu geben, was nur fair gewesen wäre, das tun wir nicht. Das ist eine dieser Erfahrungen, die man beim Reisen in ärmeren Ländern leider immer wieder macht, und die mich noch lange beschäftigen. Weil man mit so viel Armut und so vielen Bitten, die man schon automatisiert abschlagen muss, konfrontiert ist, verpasst man auch schonmal den Moment, in dem es darauf ankommt. Das passiert mir nicht zum ersten und sicher nicht zum letzten Mal und es beschämt mich. Er hatte uns um umgerechnet 90 Cent gebeten – 30 für jeden. Und jetzt ist er weg und der Moment vorbei.

Am Abend bin ich nachdenklich. Morgen werde ich alleine weiter reisen, ich möchte nach Jaisalmer in die Wüste, während die Mädels sich nach Jaipur aufmachen. Ich könnte mit, aber mich reizt der Gedanke an ein wenig Ruhe und Jaisalmer stelle ich mir sehr ruhig vor.

(In Indien war ich 2010, aber da hatte ich noch keinen Blog. Dieser Artikel ist ein Rückblick anhand von Tagebuchaufzeichnungen. Ich freue mich schon sehr, im September 2015 wieder nach Indien zu reisen.)

Ich freue mich sehr über Kommentare. Wart Ihr auch schon einmal in Jodhpur?  Fehlt Euch etwas im Artikel?

Noch ein paar Eindrücke aus Jodhpur:

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