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Madagaskar – Der Affenbrotbaum Baobab

Madagaskars Baobabs - Von Verehrten, Verliebten, und Versauten

Gastbeitrag

Die Baobab-Allee in Morondava ist landschaftlich DAS Wahrzeichen Madagaskars. Neben Kattas und Chamäleons ziert sie die meisten Reiseführer und ist nicht selten das einzige, was einem zu Madagaskars Landschaft einfällt. Ich hatte gleich das große Glück, diese tatsächlich so atemberaubende Allee mehrfach besuchen und somit verschiedene Lichtsituationen fotografieren zu können.

Wirklich beeindruckend wenn man sie live sieht: Die Baobabs von Morondava im Westen Madagaskars.

Baobabs sehen wirklich majestätisch und zuweilen witzig aus: Da die Baumkrone eher wie Wurzelwerk anmutet, gibt es diverse Legenden und Erzählungen weshalb die Bäume „falsch herum“ in der Erde stecken. Beeindruckend ist aber vor allem der massive Stamm: Riesig im Durchmesser und wahnsinnig hoch. Da kommt man sich schon sehr klein vor, wenn man neben einem Baobab steht, den Kopf in den Nacken legt und versucht, die Höhe zu erfassen.

Hier bekommt man mal eine vage Vorstellung von der Größe eines Baobabs

Bei Sonnenuntergang ergeben sich tolle Farben, die Stämme glühen förmlich in einem Rot-Orange.

Die Baobabs sind für die Madagassen „fady“, was in diesem Falle heilig bedeutet. Es gibt sogar besondere Baobabs, zumeist die ganz alten, welche verehrt werden. Man bringt ihnen auch Opfergaben. Weil Baobabs als so besonders gelten, werden sie auch nur teilweise als Baumaterial oder anderweitig verwertet. Jedoch werden Baobabs in ganz trockenen Zeiten durchaus „angezapft“: Ihr Stamm ist nicht zuletzt so groß, da er als riesiger Wasserspeicher für die Pflanze dient. Manche Jahre fällt wenig Regen und die Baobabs leben von diesem Reservoir. Auch die Madagassen greifen in Notfällen darauf zurück und trinken vom Baobab-Wasser.

Baobabs zieren auch madagassische Geldscheine. Hier ein 2000 Ariary-Schein. Das sind allerdings gerade mal 60 Cent.

Baobabs sind in vielerlei Hinsicht an die trockene Umgebung angepasst. Laub benötigen sie nicht zwingend zur Photosynthese und so sieht man sie nicht viele Tage im Jahr belaubt. Auch die Blüte fällt kurz aus, da sie Wasser benötigt: Nach nur etwa einem Tag ist die sehr schöne Blüte abgeblüht und fällt herunter. Da ich im März in Madagaskar war, konnte ich ein paar Blüten sehen, wenn auch eher am Boden liegend als noch am Baobab hängend. Das mag aber auch an der enormen Höhe und Hitze liegen. Da wird man glatt zu faul, permanent nach oben zu schauen.

Die Blüte besticht durch viele lange Blütenstempel in zartem Gelb. Dazu bildet der Rest der Blüte in Rosa einen tollen Farbkontrast.

Ich konnte während der drei Wochen drei weitere, besondere Baobabs sehen: Unweit von der Baobab-Allee gibt es die „Verliebten Baobabs“. Das sind zwei Baobabs, deren Stämme wie zwei Liebende ineinander verschlungen sind. Außerdem besuchten wir später auf unserer Tour in Ifaty ein Reservat, in dem es einen Baobab namens „Tea Pot“ gibt. Durch einen Seitentrieb des Stammes sieht der Baum aus wie eine Teekanne. Und da wir ihn voll belaubt gesehen haben, wirkte das Laub zusätzlich wie ein heraussprudelnder Wasserstrahl. Noch beeindruckender fand ich jedoch, dass dieser Baum stolze 1400 Jahre alt ist.

Diese Zwei lassen sich wohl nie wieder los.
Photo credit: Dimby Harison

Die Früchte des Baobabs sind sehr, sehr lecker: In einer harten Schale findet sich jede Menge Fruchtfaser, welche säuerlich-süß schmeckt. Die Fasern bedecken haselnussgroße Kerne die man nicht isst. Wer mal nach Madagaskar kommt, sollte unbedingt Baobabfrüchte probieren. Mich hat die Optik der Fasern erst nicht überzeugen können, nachdem ich sie probiert hatte war ich jedoch total begeistert.

Die Früchte des Baobab. Diese flauschigen Vitaminbomben sind richtig lecker

Die Madagassen ritzen manchmal kleine Stufen zum hochklettern in die Stämme, um die Früchte besser ernten zu können.

Wie auch beim Tea Pot, wachsen bei einigen Baobabs Seitenäste. Manchmal sind diese besonders dick, manchmal besonders lang und manchmal haben sie eine ganz interessante Form. So auch ein kleiner Seitenast, den wir auf einer unserer Touren gefunden haben. Und so kam es, dass für kurze Zeit weder Geckos, Chamäleons noch Schildkröten unsere Fotomotive waren. Ein bisschen Spaß muss sein, auch wenn es sich um so einen heiligen Baobab handelt.

Von wegen heilig …
Photo credit: Alexandra Laube

Anna ist freiberufliche Art Direktorin und hat vor kurzem das Fotografieren für sich entdeckt. Sie liebt Makro- und Landschaftsaufnahmen. Das Interesse für das Reisen kam erst vor einiger Zeit auf, lässt sich aber natürlich super mit Erkundungstouren mit der Kamera verbinden.

Monkey mind, medical problem or midlife crisis?

The past few days have been an emotional rollercoaster ride for me. I was supposed to fly to Israel, a trip I have wanted to do for many, many years but I am writing this at a hotel in Berlin. What happened?

Why Israel?

Israel has been on my bucket list for a very long time. I imagined myself walking the old town of Jerusalem, seeing the golden dome from the Mount of Olives and being speechless visiting Yad Vashem, inhaling the special atmosphere of the city and strolling around exploring beautiful little places.

I thought about how I would take a walk by the ocean in Tel Aviv after a good night’s sleep and how I would mingle with people, eat delicious Arabian food and just have a relaxed time.

On my trip to Syria, Jordan and Lebanon the wish became stronger. I visited the gulf of Aqaba with my partner in crime at the time and it felt like you could swim over to Eilat. The gulf is very narrow and you can hear the party crowd in Eilat at night. We couldn’t go though because we needed to go back to Syria and there would have been no way to do so with an Israeli stamp in our passports.

Then there came other journeys but Israel still was at the back of my mind. Recently I was trying to decide where to go next when a friend shared his enthusiasm about Tel Aviv on Facebook. Not long after that I booked my flight and was ready to go and explore the holy land.

Health and traveling

I have never been reasonable when it comes to my health. When I was young I would still participate at my team’s Basketball game with fever and a bronchitis even if that meant using one hand for dribbling while using the other one for my inhaler.

I work too much, spend too much time in front of the multiple screens I use during a regular day and I push myself hard even when I should listen to my exhausted body. I guess I never learned to listen. As a kid I was sent to school even with fever and when I was sick I wasn’t really looked after so the importance of looking after yourself was never much more than a theoretical construct for me although I have asthma and should know better.

Two years ago, before my trip around the world, I had to go to hospital twice. First there was a major asthma attack out of the blue that kept me in hospital for several days. It was terrifying because neither medication nor pure oxygen gave me real relief. I got better after some days and went back to working crazy – my plan was to leave for my sabbatical with all my current projects finished. It didn’t take long and after a meeting I had a sight disorder. The first thought that came to my mind was „That’s it. I’m probably having a stroke.“

I was rushed to the hospital where I spent a week at the stroke unit and underwent MRT, EEG, a spinal tap and all kinds of medical exams. My mind started playing tricks on me when I had to wait for the MRT the whole week. I was so scared that instead of traveling the world someone would come and announce death sentence to me.

The neurologists didn’t find anything and I was told that my symptoms – though atypical – might be related to a migraine with aura. It felt like I got that vague diagnosis only because they didn’t know what else to tell me and I asked several times if those symptoms could be stress-related but that’s not a neurologist’s perspective so I was told no.

After I was released from the hospital I started having panic attacks. I had heard about them and knew the symptoms so I was quite lucky being able to identify them as such right away. The „funny“ thing about panic attacks: They tend to make you mistrust yourself and at some point you find yourself doubting your mental health as you’re torn between believing you’re experiencing a heart attack and thinking „my mind is playing tricks on me“.

My sabbatical was six months long and the first two months panic attacks were my travel companion. I would be in the most beautiful surrounding in Northern India, meeting inspiring people and all of a sudden I would feel the panic creep up, slowly and heavily. I stayed at an Ashram and I found ways of facing myself at Yoga and meditation practice and the more I did that, the harder the panic waves would crush down on me.

If you ever tried to swim or surf at the ocean you know how it is with waves: if you run, they are faster and hit you hard, leaving you sitting on your ass. If you try to stay on top the big ones will drag you down and you’ll have a near-death-experience. So if you don’t want to let the waves take full control, you duck-dive. Diving in may be scary but it’s the only way you can be kind of sure you make it back out of the water in one piece.

So that’s what I did. I talked to people, I dived in even though I wanted to run and I spent many hours sitting at the Ganges after morning Yoga, watching the water in the holy river flow towards the ocean and I cried and cried. Don’t worry, it wasn’t sad it was actually like a cleansing. I always had to be strong in my life – when I was a toddler there was a war between my parents, so I had to fight to ever be heard, after their divorce and with a horrible stepmother I had to learn early I could only ever rely on myself. One friend always used to call me her warrior as fighting for what’s right seemed to be my core competence.

On my trip I learned to be a little easier on myself – I didn’t do all I had planned, I stayed longer at some places, skipped others and it was fine. I gained my strength back and by the time I reached Australia, I was happy and enjoyed traveling 100 percent.

Monkey mind or medical problem?

So here I am, two years later, and shortly before my trip to Israel, I experienced dizziness and a sight disorder when on a business trip. While last time, I underwent so many exams this time the friendly doctor at the eye clinic in Leipzig told me right away I suffer from migraine with aura and that the blood vessel in my eyes look like I have high blood pressure. This time the dizziness wasn’t gone after day one. I still get dizzy several times a day, two weeks after the incident in Leipzig.

I had a 24 hours blood pressure test with the result that my doctor said my results were better than his (very scientific approach). I was sent to a neurologist the day before my planned departure and he did an EEG in combination with one of those lamps that can cause a seizure in people suffering from epilepsy. Nothing abnormal was detected. The neurologist told me that this didn’t mean I’m safe. It could be migraine with aura but apparently people usually start having symptoms when they hit puberty – not in their fourties. He said without all the exams I underwent last time there was simply no way to be sure I wouldn’t experience a stroke or that the symptoms might come from a blood clot. At the same time he didn’t recommend anything. I know as a doctor he cannot say I should fly but neither did he recommend anything else like medication, further exams. I should observe the symptoms and a holiday would probably be good no matter what caused the symptoms.

So here I was, not knowing what to do.

Support via Social Media

Two days prior I had posted my situation on Facebook and I am still overwhelmed by the reactions. There are some very open public comments on my Fb page but so many people sent me emails, whatsapps, private messages on Fb or called me and told me that they suffered from similar symptoms.

Working with a health insurance company, I know that migraine and anxiety are very common but it was encouraging and shocking at the same time to find out how many people in my social network are affected.

Everyone told me I should go and enjoy Israel. Those closer to me who know me well never doubted for a second I wouldn’t go. I found out I’m perceived as a role model when it comes to being strong. Knowing that many people with similar symptoms or experiences that are even worse, never had anything more than those really irritating and scary symptoms encouraged me so much I decided I should go.

I was still waiting for my best friend to tell me that I’m crazy and I should stay and look after my health (that’s what she usually recommends) but then she said „of course you go and make sure to share those pictures!“

So here I was with my bag packed, ready to go when I got dizzy again and that little voice in my head started screaming „It’s not worth it! You have traveled so much and probably will do so in the future but do you really want to risk a stroke, a thrombosis or a really severe headache up there in the air?“ So I made my peace with the situation and decided to stay and change some things in my life, starting with living healthier. I’m always told I should work less but I think working too much is not the core. It’s more about me not eating healthy, not working out, not sleeping regularly. Ever since the death of my last relationship there was only work, no real me-time.

That’s where the story ends? No, it’s not. I had just started relaxing, when one of my Fb contacts who I haven’t met in real life yet, contacted me and shared his story with me. He encouraged me to go and made sure the little voice inside my head was now convinced it’s my monkey mind sending me those symptoms. So, I grabbed my bag and drove to Berlin to catch that flight and have a great time.

While driving, it became clear I was racing against time as there were several traffic jams due to some accidents on the highway and all of a sudden I was really scared I wouldn’t make it in time. I arrived 20 minutes before the checkin closed but my head was pounding and I was really, really dizzy.

Instead of checking in, I became very calm and continued chatting with that person. This is something I love about life and social media. A (more or less) stranger being there for you when you need a kind of support that cannot be given by the ones too close to you. He then told me he had been very close to conquering Kilimandscharo when he turned around as he experienced chest pain and how this was a turning point in his life. He threw away his bucket list after Kilimandscharo and changed several things, being more attentive towards himself is one of them.

It became crystal clear to me that if I checked in nothing would change. I would have a scary flight with or without a medical problem and I would probably have a great time in Israel, would meet my friend Lauren, dive into Israeli culture as I know Alon and Karni, two very nice Israelis I met in India and I would go back to continue the rat race. So I spent the time chatting with two people and finding a hotel in Berlin where I still am today. I spent the past 36 hours doing basically nothing. Having tea, healthy food, conversations with strangers, taking a little walk and spending as much time offline as possible.

I still feel dizzy every other hour and I need to find out whether the problem is medical or not but while it makes me sad I’m not in laidback Tel Aviv right now, I’m sure this decision will prove to be the right one in the long run.

Thank you all for your support – you know who you are and it means a lot to me!

And to those haters (you know who you are as well!): Keep the anonymous letters coming, go bitch at work and try to bring those who trust me not to do so anymore – I dare you! I’m stronger than you!

 

Madagaskar: Kirindy

Anna war auf Madagaskar. nach ihrem Interview berichtet sie nun von Kirindy.

Das Trauma

Wie ich schon vor Reisebeginn wusste, würden mich gleich auf der ersten Etappe der Reise meine Ängste herausfordern. Und so ging es am vierten Tag auf Madagaskar mit gemischten Gefühlen los in Richtung Kirindy. Hier erwartete mich die simpelste Unterkunft während unserer Reise – ein schlichter Holzbungalow, immerhin mit Bad „en suite“. Das einzig fließende Wasser war in diesem Bad in den nächsten Tagen jedoch mein eigener Schweiß, denn die Luftfeuchtigkeit von ca. 80% war eine der größten Herausforderungen.

Auf unserem Weg nach Kirindy sind wir an einigen kleinen Örtchen vorbeigekommen. Wie so oft waren gerade die Kinder recht neugierig wenn die Touristen vorbeikommen.

Als wir nachmittags ankamen, gab es keinen Strom, der Generator war ausgefallen und somit gab es keine Toilettenspülung, keine Dusche und kein kaltes Bier. Mit den beiden ersten Dingen kann man ja klarkommen. Aber kein kaltes Bier? Da fackelte die Reiseleitung nicht lang und es wurde aus der nächsten „Zivilisation“ ein Klotz Eis geholt. Die restlichen Probleme waren schneller gelöst: Vor jedem Bungalow wurden ein voller Eimer Wasser und ein Becher bereitgestellt. Da es zwar in den nächsten Tagen Strom gab, die Pumpe jedoch defekt war, blieb es bei dieser Art der Wasserversorgung.

Becher und Eimer waren Dusche und Toilettenspülung in Einem.

Doch mich störte weniger das fehlende fließende Wasser und das warme Bier, denn in mir krabbelte es gewaltig. Zumindest fühlte es sich so an, denn der Bungalow hielt so einiges an sechs- und achtbeinigen Überraschungen bereit. Diverse Schaben und Spinnen in den Ecken, gepaart mit der Dunkelheit des Bungalows und dem dunklen, schlecht abzucheckenden Holz waren mir ein Graus. Als ich mein Bett direkt nach der Ankunft mit dem Moskitonetz hermetisch absichern wollte, rieselten aus dem über dem Bett zusammengeknoteten Netz erstmal ein paar tote Fliegen, Mücken und allerlei Pflanzenteile auf mein Bett. Das war zu viel für meine zarte Europäer-Seele und ich verfluchte die Entscheidung nach Madagaskar zu reisen.

Einer meiner zahlreichen Mitbewohner.

Nach dem Abendessen (Es gab Hühnchen mit allerlei Insektenbeilage) ging es dann zur Nachtwanderung. Ok, es war noch nicht Nacht, aber stockdunkel. Mit unserem Guide liefen wir dann weiter in den Wald hinein. Er lief vor uns, stets bemüht mit einem Stock die riesigen Spinnennetze zu entfernen, die sich überall befanden. Ich lernte von da an, dass man zeitgleich immer nach unten UND nach oben gucken muss. Damit man nicht stolpert oder unter einer, zum Abseilen bereit sitzenden, Spinne stehenbleibt. Vielleicht können Chamäleons deshalb ihre Augen unabhängig voneinander nach unten und oben bewegen?!

Rechts, links und über dir, nachts in Kirindy …

Es gab viel zu sehen, innerhalb der kleinen Bereiche die unsere Lampen erhellten: Bunte Saftkugler, Spinnen, das ein oder andere Chamäleon, interessante Pflanzen. Aber stets war dieses Gefühl bei mir. Dieses unbestimmte, krabbelige … apropos: Da krabbelt was am rechten Arm. Unter meinem Shirt. Was ist das? Panik steigt hoch. Eine Spinne? Eine Schabe??? Ich leuchte mit meiner Kopflampe alles ab und da kommt wie aus dem Nichts ein riesiges, schwarzes Ding von unten auf mich zugeflogen. Es will mir ins Gesicht fliegen und ich schlage es weg, schreie und tanze wie eine Gabba-Braut auf LSD mitten im Wald.

Aber bevor ich völlig ausraste kommt eine besonnene Hand und greift vorsichtig nach diesem fürchterlichen, schwarzen, großen … Schmetterling. Den Rest des Urlaubs hatte ich mir die Warnung vor dem „Butterfly of death“ bei jedem noch so schönen Schmetterling gesichert. Nach diesem für mich recht traumatischen Ereignis konnte ich jedoch selbst darüber lachen und so hatten wir einen Running Gag schonmal gesichert.

Tag- und nachtaktive Falter gibt es viele in Madagaskar.

Der Trockenwald

Diese Art des Waldes ist sehr rar und Kirindy somit einer der wenigen Orte, an dem man diese einzigartige Flora und Fauna erleben kann. Die Flora ist am ehesten durch die nahe an Kirindy liegende Baobab-Allee in Morondava bekannt. Den Baobabs werde ich noch einen eigenen Artikel widmen, denn diese majestätischen Bäume können einen ganz ordentlich in ihren Bann ziehen. Die Fauna rund um Kirindy ist vor allem durch die Fossa bekannt, dem größten Raubtier  Madagaskars.

Am ersten Tag habe ich auch direkt meine erste Schlange gesehen.

Bei unserer Ankunft konnten wir kurz eine Fossa erhaschen, es gibt zwei Exemplare die rund um das Camp leben. Leider war meine Kamera so schnell nicht richtig justiert, so dass ich kein wirklich brauchbares Foto machen konnte. Ein weiteres Highlight bei unseren Nachtwanderungen war der kleinste Primat der Welt, ein Mausmaki mit dem interessanten Namen „Madame Berthes Mausmaki“. Wie in diesem Falle auch, stellte ich immer wieder fest wie blind ich war im Auffinden der Tiere. Bis ich diesen kleinen Kollegen von knapp unter 10 cm anhand seiner reflektierenden Augen gefunden hatte, ist viel Zeit vergangen. Doch dies ging mir auch nach drei Wochen noch so, denn es gehört viel Übung und Wissen dazu, die getarnten und versteckten Tiere zu erkennen.

Wie ich erst hier bemerkte, haben Geckos faszinierend schöne Augen.

Am zweiten Tag war es so unfassbar heiß und schwül, dass wir tagsüber keinen Ausflug gemacht haben. Um trotzdem ein wenig fotografieren zu können, haben wir rund um das Camp Tiere gesucht und auch zahlreich gefunden. Weitere Schlangen wie z.B. Boas, Chamäleons, Geckos und viele Insekten.

Dieses Exemplar eines Furcifer Oustaleti sorgte für Aufruhe bei den madagassischen Arbeitern rund um das Camp. Irre, wie urzeitlich diese großen Chamäleons wirken.

Nahe Kirindy konnten wir dieses schöne Exemplar einer Boa auffinden. Alle Tiere wurden übrigens immer an die original Fundstelle zurückgebracht.

Der Trumpf

Wie es immer so ist mit der Erwartungshaltung: Wer nichts erwartet, kann nur gewinnen. Ja, ich hatte Schiss vor Kirindy, und ja, die meisten Ängste wurden irgendwie auch erfüllt. Aber wenn ich jetzt an diesen Urlaub auf Madagaskar zurückdenke, dann war Kirindy eine nachhaltig prägende und sogar positive Erfahrung. Und da ich dort die schlimmsten Befürchtungen bereits bestätigt bekommen hatte, konnte es ja kaum noch schlimmer werden. Und das wurde es auch nicht. Für mich persönlich war Kirindy der Wendepunkt. Alles was danach kam, konnte ich mit einer gewissen Gelassenheit nehmen.

Wer Bettwanzen überlebt, der überlebt auch so manch anderes Abenteuer.

Anna ist freiberufliche Art Direktorin und hat vor kurzem das Fotografieren für sich entdeckt. Sie liebt Makro- und Landschaftsaufnahmen. Das Interesse für das Reisen kam erst vor einiger Zeit auf, lässt sich aber natürlich super mit Erkundungstouren mit der Kamera verbinden.

Madagaskar – von Kattas, Kakerlaken und Chamäleons

Ihre erste Fernreise auf eigene Faust führte Anna nach Madagaskar. Der Wunsch, die Tierwelt der Insel mit der Kamera zu erkunden war stärker als die vielen kleinen Sorgen, was schiefgehen könnte. Im Gespräch verrät Anna, wie sie die Reise erlebt und wie diese sie verändert hat.

Anna und das Chamäleon, Photo Credit: Alexandra Laube

Wenn Menschen sich an Fernreisen herantasten, wählen sie häufig zunächst Ziele wie die USA oder Thailand aus. Warum hast Du Dich für Madagaskar entschieden?

Warum Madagaskar? Keine Ahnung. Irgendwann als Kind erzählte mir meine Mutter, wir fahren mal nach Afrika. Daraufhin studierte ich den Diercke Weltatlas meiner großen Schwester und – warum auch immer – diese gar nicht so kleine Insel faszinierte mich. Die Hauptstadt Antananarivo kannte ich also vom Namen her schon mit sieben Jahren und habe sie nie vergessen. Meine Mutter und ich sind übrigens bis heute nicht zusammen nach Afrika gefahren.

Aber zurück zu deiner Aussage mit dem ersten Fernreise-Ziel: Ich bin ein halbes Jahr vorher mit Freunden tatsächlich in die USA gefahren. Dort haben wir drei Wochen lang die klassische Westküstentour gemacht: L.A., San Francisco, Las Vegas und die gängigen Nationalparks wie Grand Canyon und Co. Dieser Urlaub war dann auch inhaltlich die Initialzündung für Madagaskar: Der USA-Trip war mein erster nicht-pauschaler Urlaub und die vielen verschiedenen Orte in drei Wochen haben mich ziemlich beeindruckt. Und ich konnte viel fotografieren.

Fotografieren in unwegsamem Gelände und bei Regen ist nicht immer nur angenehm.

Doch ich wollte mehr: Mehr Zeit zum fotografieren und mehr Natur. Mehr echte Natur. Die Nationalparks in den USA sind ja an vielen Stellen sehr überlaufen, man macht die Fotos die auch alle anderen haben und man findet fast alle 500 Meter eine Imbissbude mit Parkplätzen. Generell war mir das also zu wenig Naturfeeling. Hätte ich vorher niemals gedacht, da ich jetzt kein eingefleischter Outdoorfreak bin und schätzungsweise auch nicht werde. Aber später mehr zu dieser Ambivalenz.

Als ich dann nach diesem fotografisch geprägten USA-Trip mal nach Fotoreisen zur Weiterbildung gesucht habe, stieß ich auf einen Anbieter von Fotoreisen – auf Madagaskar.

Ganz alleine warst Du nicht unterwegs? Warum hast Du eine Gruppenreise gebucht?

Das hatte gleich mehrere Gründe: Da ich gezielt eine Fotoreise machen wollte, brauchte es ähnlich interessierte Reisende. Außerdem bin ich als Freiberuflerin zeitlich flexibel, und konnte mich so an die angebotenen Zeiträume besser anpassen als alle die sich auf der Arbeit erst absprechen müssen. Als Single ist es außerdem generell schwierig, Reisebegleitungen zu finden mit dem gleichem Hobby, gleicher Flexibilität und mit denen man es auch „wagen“ möchte, eine solche Reise zusammen zu planen.

Am Campground des Isalo-Nationalparks sind Sifakas und Lemuren häufig zu finden.

Welche Ängste hattest Du vor Deiner Reise?

(lacht) Viele. Meine größten Sorgen hatten sechs oder mehr Beine und können entweder fliegen, sind behaart oder groß. Da ich vorher schon wusste, dass es keine tödlich giftigen Tiere auf Madagaskar gibt, habe ich mich weniger um eine große Gefahr gesorgt, sondern mehr, dass mich krabbelige Besucher nachts heimsuchen. Wieviele Nächte ich mich vorab sorgte: Dass mir etwas unter die Decke krabbelt. Dass ich, nur mit einer Kopflampe im sonst dunklen Bungalow, die Krabbelgeräusche nicht orten kann. Dass mir was ins Gesicht krabbelt usw. Die Vorstellung, ohne Strom und ohne weiteres Umgebungslicht im „Notfall“ einer Insektenattacke, nicht zu wissen was um mich herum alles kreucht und fleucht … war der pure Horror.

Annas großer Moment: Mit der Fauchschabe auf Du und Du.

In diesen Momenten der Horrorgedanken habe ich mich gefragt, wie bescheuert ich eigentlich war, diese Reise zu buchen. Und da sind wir auch bei der eingangs anmoderierten Ambivalenz. Da will ich mehr Natur als asphaltierte und mit Geländern bestückte Nationalparks. Und fürchte mich vor dem dort lebenden Kleingetier.

Was hat Dich auf Madagaskar am meisten beeindruckt?

Ich selbst. Ja, ohne Scheiß. Nach all diesen Horrorgedanken vorab, gepaart mit der totalen Vorfreude, war ich ziemlich beeindruckt wie kalt mich dann doch so manche Situation gelassen hat. Die 5 cm großen Schaben unter meinem Bett. Auch jene Schabe, die direkt neben meinem Kopf von der Decke fiel (sie fiel durch das Dach des Bungalows, der nur mit Palmwedeln bedeckt war), die Fledermäuse mit denen ich mir einen Bungalow teilte usw. Insgesamt hat es mich also beeindruckt, wie ich mich entwickelt habe. Auch wie man lernt, mit den örtlichen „Hygiene“-Standards Frieden zu schließen. Ja, diese Reise war letztlich nicht nur eine Weiterbildung in Sachen Fotografie sondern auch in der eigenen Persönlichkeit.

Fotoapparate finden Madagassen meist faszinierend. Das Touchdisplay sorgte oft für Furore. So glaubten sie, es sei Magie.

Ansonsten haben mich die Madagassen beeindruckt: Diese so freundlichen Menschen, die zum Großteil einfach nur herzlich und positiv sind. Trotz Armut vielerorts.

Gab es eine Situation, die Dich an Deine Grenze gebracht hat?

An meine eigenen Grenzen hat mich die Ankunft in Kirindy gebracht. Ich wusste vorab schon, dass dies die „schlichteste“ Unterkunft unserer Reise sein wird: Es gibt dort nur einfache Holzbungalows inmitten des Trockenwaldes. Auf den Fotos im Internet sowie auch auf meinen eigenen kann man aber nicht ersehen, wie es sich tatsächlich angefühlt hat dort. Es traf so einiges am ersten Tag aufeinander, was meine Ängste komplett bediente: Stromausfall, kein fließendes Wasser, ein dunkler Holzbungalow in dessen Ecken sich kaum erkennen ließ welche Untermieter sich darin befinden …

Da dies am Anfang unserer Reise war, war es die Feuertaufe und natürlich im ersten Moment für mich persönlich der Tiefpunkt der Reise. Aber hey: Alles was danach kam war quasi ein Spaziergang. Und was ich dann alles so in Kirindy gesehen und erlebt habe und was das mit mir machte, könnt ihr bald hier auf dem Blog lesen.

Welchen Rat hast Du für Menschen, die Angst vor ihrer ersten Fernreise haben?

Informiert euch gut, denn Wissen ist immer gut, um emotionales Chaos und auch tatsächliche Probleme vor Ort zu mindern. Mir hat es total geholfen, mit Madagaskar-Profis unterwegs zu sein. Das hat mir viel Angst genommen, denn Madagaskar ist definitiv kein Einsteigerland zum Fernreisen. Lasst euch auch nicht reinreden: Jeder hat seine eigenen Grenzen und Unsicherheiten. Wenn euch etwas partout nicht gefällt oder die Ängste zu groß sind, dann lasst es und sucht euch ein passendes Ziel ohne Bauchschmerzen. Ein bisschen Mut und Willen schadet aber nicht, denn sonst wäre ich ja auch gar nicht erst losgefahren.

Nachts lassen sich Chamäleons gut aufspüren und die Farben kommen besonders schön zur Geltung

Würdest Du von der Planung bis zur Rückkehr wieder alles genau so machen?

Hinterher ist man immer schlauer. Ich würde mein Equipment anders planen. Es stellten sich manche Sachen als nutzlos heraus und bei anderem Zeug hatte ich am falschen Ende gespart. Auf jeden Fall bin ich für so eine Reise recht spontan los, da wurde es mit so mancher Impfung schon knapp. Bei der Rückkehr hätte ich mich im Übrigen in Amsterdam am Flughafen keinen Kaffee mehr trinken sollen. Dann hätte ich meinen Flieger auch nicht verpasst.

Was ist Dein nächster großer Reisetraum?

Davon habe ich jetzt so einige. Welchen ich davon in der Tat zuerst realisiere, hat dann auch noch einige Faktoren die ich aktuell nicht absehen kann.

In Ranomafanas Bergnebelwald ist es wunderbar grün.

Auf jeden Fall möchte ich aber nochmal nach Madagaskar. Dann in den Nordosten. Da wo die Unterkünfte noch schlechter sind und die Anstrengungen noch größer.

Anna ist freiberufliche Art Direktorin und hat vor kurzem das Fotografieren für sich entdeckt. Sie liebt Makro- und Landschaftsaufnahmen. Das Interesse für das Reisen kam erst vor einiger Zeit auf, lässt sich aber natürlich super mit Erkundungstouren mit der Kamera verbinden.