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Ich kann Jahresrückblicke nicht leiden

 

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Ich kann Jahresrückblicke nicht leiden. Warum ich trotzdem einen schreibe? Weil mir diese automatisiert drüben auf Facebook ausgespuckte Pseudorealität 2014 tierisch auf den Kack geht. Was posten wir denn so auf Facebook? Lecker Essen, mein schönstes Ferienerlebnis und wie geil wir doch alle sind. Ja klar, manch einer auch das, was nicht so gut läuft. Aber bitte schön moderat. Soll ja immer alles gut aussehen. Das Leben ist aber beides – leicht, schön und fröhlich, aber eben auch mal bitter und voller Schmerzen. Deshalb heute mein persönlicher Rückblick auf dieses Jahr.

Mein Jahr war lehrreich. Es begann damit, dass der Mensch, den ich von Herzen liebte, unsere Beziehung beendete. Leider nicht mit Anstand und Würde. Die Einzelheiten gehören nicht auf diesen Blog. Wie immer, wenn es harte Zeiten im Leben gibt, lernt man – teils schmerzhaft -, wer die wahren Freunde sind. Meine Mutter, die ich nicht oft zitiere, sagte einmal zu mir: „Echte Freunde sind nicht die, die mit Dir feiern, sondern die, die mit Dir weinen.“ Wahre Worte. Ich habe das Glück, zwei wunderbare Freundinnen zu haben, die mir schon beim Krebstod meines Vaters zur Seite standen. Ich danke Euch, Dany und Eva! Ihr seid wunderbare Menschen und ich bin glücklich, Euch in meinem Leben zu wissen! Auch Dir danke, liebe Uta, für das offene Ohr, das Du immer für mich hattest und hast! Das bedeutet mir sehr viel.

Ich gehe seit Anfang des Jahres zu einem Therapeuten – auch so ein feiner Mensch. Der mich auf meinem Weg begleitet, viele Dinge zu verstehen und neu zu bewerten.

Dieses Jahr war ein tolles Jahr bei der Arbeit. Ich habe einen Job, den ich wirklich liebe, ich darf Themen bewegen, die Spaß machen und an manchen Tagen muss man mich aus dem Büro treten. Wie geil ist das bitte, wenn man den Teil des Tages, mit dem man die meiste Zeit verbringt, so gerne mag?! Das macht mich oft glücklich.

 

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Im März war ich in Marokko – mein Weihnachtsgeschenk an den Mann, den ich liebte, das ich im letzten Moment doch alleine antrat, statt es verfallen zu lassen. Eine schmerzhafte, aber auch reinigende Reise durch ein traumhaft schönes Land.

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Im Juni zog ich in eine neue Wohnung – meine vier Wände. Keine Erinnerungen. Alles jungfräulich. Endlich wieder mehr Freunde, die vorbeischauen, weil ich wieder mitten in der Stadt wohne. Das und die Aussicht, die ich jeden Tag von hier oben genießen darf: unbezahlbar!

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Im September war ich mit meiner Freundin Alex in St. Peter-Ording. Wir verbrachten perfekte Tage bei schönstem Wetter im wirklich relaxten Beach Motel und ließen es uns gut gehen. Auf der Fahrt zurück nach Hamburg dachte ich, dass ich das erste Mal seit langem glücklich bin. Noch am selben Abend ein fetter Tiefschlag: Meine Freundin Silvana hatte sich das Leben genommen. Ich habe sie nur ein gutes Jahr gekannt, aber das Jahr war intensiv. Sie war ein Mensch, wie es ihn nur einmal gibt: mal übersprudelnd vor Lebensfreude und Kreativität, mal zutiefst bedrückt. Eine ganz zarte und zugleich kraftvolle Person. Mit ihr hatte ich tolle Gespräche, wir haben zusammen gelacht und geweint. Als ich aus Liebe und mit gebrochenem Herzen für die zunächst nur räumliche Trennung auszog, schlief und weinte ich so manche Nacht in ihrem Bett und obwohl sie selbst mit so vielem und vielen kämpfte, war sie für mich da. Sie fehlt mir. Sehr.

Mein Held an diesem traurigen Tag: Sebi. Schon längst viel mehr super Freund als Kollege, überließ er die Gäste seiner Geburtstagsparty, auf der ich den Anruf erhielt, sich selbst und war stundenlang für mich da. Und das nicht nur an diesem Tag. Danke Dir, Sebi – Du bist ein wahrer Freund!

Nach Silvanas Tod entschied ich, dass ich nächstes Jahr auf Weltreise gehen werde und wieder viel mehr Verrücktheiten leben möchte. Im September 2015 geht es los und die Vorfreude und das Planen der Reiseroute sind ein sehr schöner Teil von 2014. Sechs Monate werde ich mit mir alleine reisen, viele neue Eindrücke sammeln, mit dem Bloggen anfangen und sehen, was so ein halbes Jahr mit mir selbst mit mir macht.

Im Oktober brach ich mir bei der Gartenarbeit eine Rippe. Aber das war den Spaß wert, den mir das gemeinsame Niedermähen eines halben Waldes im Garten von Sebi bereitete.

Heute vor nun schon einigen Jahren habe ich in der Silvesternacht, als alle meine Freund feierten, meinen an Lungenkrebs erkrankten Vater im Krankenhaus besucht, in das er sich zum Sterben zurückgezogen hatte. Unser letztes Gespräch hatten wir in dieser Nacht, an Neujahr verstarb er. Ein Grund, warum mich der letzte Tag eines Jahres und der erste Tag eines neuen Jahres nicht gerade zum Feiern veranlassen. In manchen Jahren ist es weniger schlimm, in manchen tut es sehr weh. Heute ist einer dieser traurigen Tage. Nicht nur wegen meines Vaters. Auch wegen der anderen Menschen, die ich in diesem Jahr verlor.

Das war mein Jahr. Voller Höhen und Tiefen. Leben halt. Mal sehen, was 2015 bringt. Falls irgendwer bis hierher gelesen hat: Einen guten Rutsch wünsche ich!

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