Indien
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Incredible India – Mumbai

Taj Mahal Palace and Tower

Taj Mahal Palace and Tower

Indien – gereizt hat mich der Subkontinent schon lange. In Australien schenkte mir dann ein Mitbewohner das Buch Shantaram und spätestens nachdem ich dieses aufgesaugt hatte, stand für mich fest: Ich muss irgendwann nach Indien. 2010 – fünf Jahre später – ist es dann so weit. Knapp vier Wochen Indien liegen vor mir und meinem Rucksack. Mit ein paar Tagen Zwischenstopp in Istanbul fliege ich nach Mumbai.

Im Landeanflug ist deutlich zu sehen, dass die Slums bis ans Rollfeld heran gebaut sind. Auf der ca. einstündigen Taxifahrt vom Flughafen in die Stadt werden die Dimensionen klarer. Es ist früh am Morgen, kurz vor der Dämmerung, als ich losfahre und auf dem Weg erwacht die Stadt zum Leben. Überall, wirklich überall, am Straßenrand, unter Bussen, auf Karren, auf zusammengeschusterten Liegen, auf Brückenpfeilern liegen Menschen und schlafen. Andere waschen sich im Dreck. Ein Kind kackt auf die Straße. Ich bin überrascht, dass ich nicht vollkommen schockiert bin, aber ich habe mich gut auf diese Reise vorbereitet. Indien ist eine Herausforderung und ich habe versucht, mich so gut es geht einzustellen auf das, was mich hier erwartet. Die Armut, die ich auf dieser Reise zu sehen bekomme, berührt mich und macht mich nachdenklich, aber sie schockiert mich nicht. Ich werde in meiner Zeit in Indien noch viel darüber nachdenken.

Café Leopold

Café Leopold

Nach ein paar Stunden Schlaf führt mich mein erster Weg ins Cafe Leopold. Seit 1871 gibt es das Café im Stadtteil Colaba und es ist ein beliebter Backpacker Treff. Doch nicht deshalb führt mich mein erster Ausflug hierher an den Colaba Causeway, sondern weil es Schauplatz wichtiger Szenen von Shantaram ist. Während ich mein erstes Chicken Tikka Masala auf indischem Boden genieße – es schmeckt himmlisch -, rufe ich mir einige Szenen des Buchs in Erinnerung und freue mich hier zu sein.

Leopold

Leopold

Das Taj Mahal Palace and Towers ist ein eindrucksvolles Hotel. Majestätisch thront es an der Hafenpromenade und das Auge kann sich nicht satt sehen an dem schönen Gebäude. 2008 wurde das Hotel Ziel eines Terroranschlags und so muss sich heute jeder Gast scannen lassen, ehe er eingelassen wird. Ich bin neugierig und froh, der Hitze kurz zu entkommen und so gehe ich hinein. Das Hotel ist wirklich ein Palast. Mutterseelenallein sitze ich in einer der vielen Bars des Hotels und genieße die Ruhe und einen eiskalten Perrier. Der Barkeeper, ein alter Inder, ist sehr lieb und gibt mir viele Tipps, die mir unterwegs noch nützen werden. Er fragt mich nach meiner Route und schimpft über Delhi: „sweet talking but they will stab you in the back.“ In Delhi, dem Höllenloch Indiens – zumindest was mich betrifft – werde ich noch an seine Worte denken.

In der Bar des Taj Mahal Palace

In der Bar des Taj Mahal Palace

Gateway of India

Gateway of India

Das Gateway of India erinnert eindrucksvoll an den Kolonialismus, es ist aber auch ein beliebter Treffpunkt. Man kann hier stundenlang dem bunten Treiben zusehen und abends stehen hier bunt verzierte Kutschen mit abgemagerten Pferden Schlange. Wer es sich leisten kann, lässt sich die Hafenpromenade rauf und runter kutschieren – ich habe den Eindruck, dass dieses Angebot deutlich mehr von Indern als von ausländischen Touristen genutzt wird. In den Kutschen wird Zuckerwatte gegessen und viel gelacht.

Kutschen vor dem Taj Mahal Palace and Tower

Kutschen vor dem Taj Mahal Palace and Tower

Hier in Mumbai werde ich zum ersten Mal von einigen Indern gefragt, ob ich sie fotografieren kann – als Andenken an eine kurze Begegnung. Bitte aber unbedingt mit ihrer und meiner Kamera, schließlich soll auch ich mich erinnern.

Can you take our picture?

Can you take our picture?

Man sieht hier – wie überall in Indien – auch viel Armut. Als ich mich mit an einem Straßenstand gekauften Samosas hinsetze, um ein wenig die Menschen zu beobachten, lassen mich die Blicke einiger kleiner hungriger Mädchen nicht los und so wechseln die Samosas schnell den Besitzer.

Ich verschenke auch das erste Mal Geld – schon am Mittag war mir ein ausgemergelter alter Mann aufgefallen, der ganz still und leise am Straßenrand vor seiner Waage saß. Gegen Geld kann man sich wiegen lassen und jetzt im Dunkeln sitzt der alte Mann noch immer hier und fast niemand beachtet ihn. Das macht mich traurig.  Als ich ihm 20 Rupien schenke, ist er überrascht, will mich dann aber auf keinen Fall ziehen lassen, ohne dass ich mich wiege.

Neugierig, aber wachsam streife ich durch das dunkle Colaba. Es ist laute Musik zu hören und so mache ich mich auf die Suche. Vorbei am Colaba Nachtmarkt geht es zu einem Platz, an dem kleine Altare aufgebaut sind und wo viele Frauen tanzen. Ich erfahre, dass es sich um eines der vielen Hindu Festivals handelt, die Durga Puja, die zu Ehren der Göttin Durga gefeiert wird und ca. zehn Tage dauert. Mir fällt auf, dass die Menschen hier sehr viel lächeln. Ich genieße das und es steckt an.

Am nächsten Tag schaue ich mir den Marine Drive an. Schüler, verliebte Paare, Business Leute in der Mittagspause – direkt neben dem knatternden und lärmenden Straßenverkehr wird hier flaniert. Abends wird es hier besonders voll, wenn die Menschen kommen, um den Sonnenuntergang über dem arabischen Meer anzuschauen.

Schüler am Marine Drive

Schüler am Marine Drive

Paar, Marine Drive

Paar, Marine Drive

Auch der berühmte Chowpatty Beach ist ein beliebter Treffpunkt. Tagsüber ist hier nicht so viel los, aber am Abend treffen sich Paare, Familien und Freunde am Strand. Entlang des Strandes kann man essen oder sich massieren lassen.

Chowpatty Beach

Chowpatty Beach

Verkäufer am Chowpatty Beach

Verkäufer am Chowpatty Beach

Eisverkäufer, Chowpatty Beach

Eisverkäufer, Chowpatty Beach

Weiter geht es auf den Malabar Hill. Von hier aus bietet sich eine gute Aussicht auf den Chowpatty Beach, der von hier oben aus sehr viel malerischer aussieht, ohne die Tauben und den Dreck in Sichtweite.

Malabar Hill, Blick auf Chowpatty Beach

Malabar Hill, Blick auf Chowpatty Beach

Hier oben weht ein angenehmer Wind, eine willkommene Abwechslung zu der eher drückenden Hitze. Die Pheroteshah-Gärten oder Hanging Gardens sind laut Lonely Planet sehr beliebt, also drehe ich hier eine Runde, kann der Parkanlage aber nicht wirklich viel abgewinnen. Mich amüsieren die Inschriften auf einer Säule im Park.

Pherozeshah-Mehta-Gärten

Pherozeshah-Mehta-Gärten

Pherozeshah-Mehta-Gärten

Pherozeshah-Mehta-Gärten

Weiter geht es zu den „Türmen des Schweigens“, wo die Parsen ihre Toten hinbringen, damit sie nicht die Elemente verunreinigen, sondern von Geiern gefressen werden. Allerdings gibt es dummerweise wohl keine Geier mehr und so kommen Solarkollektoren zum Einsatz, die den Verwesungsprozess beschleunigen sollen, was aber während der Monsunmonate nicht funktioniert. Man erklärt mir, dass darüber nachgedacht wird, Geier zu züchten, aber die reichen Anwohner vom Malabar Hill finden das gar nicht gut, denn als es noch Geier gab, fielen auch schonmal Leichenteile aus der Luft herab.

Als nächstes schaue ich mir das Gandhi Museum „Mani Bhavan“ an. Zwischen 1917 und 1934 lebte Gandhi hier, wenn er sich in Mumbai aufhielt. Dioramen zeigen Stationen aus Gandhis Leben. Außer mir hält sich noch eine Schulklasse hier auf. Ich bin beeindruckt, wie aufmerksam die Kinder an den Lippen der Lehrerin hängen, als diese die verschiedenen indischen Fahnen erklärt. Der große Respekt vor Gandhi ist fast greifbar.

Gandhi Skulptur, Mani Bhavan

Gandhi Skulptur, Mani Bhavan

Diorama

Diorama

Brief von Gandhi an Hitler

Brief von Gandhi an Hitler

Gandhis Schlafzimmer im Mani Bhavan

Gandhis Schlafzimmer im Mani Bhavan

Schulklasse und Nina

Schulklasse und Nina

Als nächstes schaue ich beim Mahalaxmi Dhobi Ghat vorbei. Unter freiem Himmel wird hier in fast tausend Waschzubern Wäsche gewaschen. Auch viele Hotels geben ihre Wäsche hierher. Die Becken gehören der Stadt und müssen von den Männern, die hier täglich stundenlang waschen, angemietet werden. Fasziniert und bedrückt zugleich ziehe ich schnell weiter.

Mahalaxmi Dhobi Ghat

Mahalaxmi Dhobi Ghat

Dhobi Ghat

Dhobi Ghat

Nach dem Besuch der Dhobi Ghats endet dieser Tag. Meine nächste Station wird Udaipur in Rajasthan sein. Hier noch ein paar Bilder aus Mumbai.

Mobile X Ray Van

Mobile X Ray Van

Church of St. Andrew

Church of St. Andrew

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Chhatrapati Shivaji Terminus (CST), formerly known as Victoria Terminus

Chhatrapati Shivaji Terminus (CST), formerly known as Victoria Terminus

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