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Museum of broken relationships

Man muss nicht an einem frisch gebrochenem Herzen leiden, um im Zagreber Museum of Broken Relationships eine emotionale Achterbahnfahrt zu erleben. Ein wenig Empathie reicht, um während eines Besuchs mindestens ein paar Tränen zu verdrücken, aber auch herzhaft zu lachen. Ein Kunstprojekt zum Mitfühlen und Mitmachen.

Erste Liebe, Fernbeziehungen, Schicksalsschläge, verbotene Lieben, flüchtige Beziehungen, in denen der eine Sex, der andere Gefühle sucht, psychische Probleme, Krankheit oder das langsame und qualvolle Sterben einer Beziehung im Alltag – es gibt viele Gründe, warum Beziehungen scheitern.

Und so ist auch das Museum nach Oberthemen unterteilt: ‚The Chips are Down‘, ‚Once upon a Time‘, ‚Happily ever after‘, ‚A Fine State of Affairs‘, ‚Private Battles, Global Wars‘, ‚The Game is up und Tomorrow is another day‘ – jeder Bereich des Museums entführt in eine andere Gefühlswelt.

 

In Abhängigkeit von der eigenen Lebens- und Liebesgeschichte wechseln die Emotionen beim Besuch. Wut, Frust, Freude, Trauer, Empörung, Erschütterung und wieder Lachen.

Menschen aus aller Welt senden ihre Geschichten an das Museum. Zusammen mit einem Gegenstand, der die gescheiterte Beziehung symbolisieren soll.

A child’s pedal car

Ich habe nur einen Tag in Zagreb, trotzdem verbringe ich fast drei Stunden in dem kleinen Museum. Zu spannend sind diese konservierten Erinnerungen, zu sehr berühren mich viele der Geschichten. Manche treffen mich mitten ins Herz und einige Male laufen mir leise Tränen die Wangen herunter.

Wie bei der Dame aus Armenien, die eine alte Postkarte geschickt hat. Ihr Text dazu: „I’m a 70-year-old woman from Yerevan, the capital of Armenia. (…) This is a postcard that was inserted through the slit of my door a long time ago by our neighbors‘ son. He had been in love with me for three years. Following the old Armenian tradition, his parents came to our home to ask for my hand. My parents refused, saying their son did not deserve me. They left angry and very disappointed. The same evening their son drove his car off a cliff…“

Manchmal reicht nur ein Satz und man weiß Bescheid. Wie bei demTrikot des Basketballspielers von den Philippinen. „He was a player.“ steht unter dem Exponat. Mehr muss man nicht wissen.

Auch aus Deutschland findet sich hier auch ein Ausstellungsstück. Eine Axt. ‚An ex-axe.‘ Der Text dazu: „She was the first woman that I let move in with me. All my friends thought I needed to learn to let people in more (…) Not knowing what to do with my anger, I finally bought this axe at Karstadt to blow off steam and to give her at least a small feeling of loss – which she obviously did not have after our break-up. In the 14 days of her holidays, every day I axed one piece of her furniture. I kept the remains there as an expression of my inner condition. The more her room filled with chopped furniture acquiring the look of my soul, the better I felt. Two weeks after she left, she came back for the furniture. It was neatly arranged into small heaps and fragments of wood. She took that trash and left my apartment for good. And so the axe was promoted to a therapy instrument.“

Hurt by a papercut

Der Hintergrund

Das Kunstprojekt entstand 2006, die Macher sind Olinka Vištica und Dražen Grubišić. Nach der Trennung des Paares ging es an die Verarbeitung der gescheiterten Beziehung. Es entstand die Idee, einen Ort zu schaffen, an dem Erinnerungen und Andenken aus guten Zeiten aufbewahrt werden, ohne sich ständig in den nun veränderten Alltag zu drängen.

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Nachdem das Projekt mehrere Jahre als Wanderausstellung in der ganzen Welt unterwegs war, hat das Museum of Broken Relationships seit 2010 seine Heimat in Zagreb gefunden. Nach wie vor werden die Exponate auch in anderen Ländern gezeigt.

2011 erhielt das Museum einen Sonderpreis für das ‚Europäische Museum des Jahres‘.

Das Beziehungsaus kreativ verarbeiten

Man spürt beim Lesen vieler der Geschichten, dass es hier um Loslassen geht. Das Versenden der eigenen Geschichte und eines persönlichen Gegenstandes, sie symbolisieren auch einen Abschluss. Vielleicht muss auch ich hier etwas hinschicken. Passenderweise hatte ich in Zagreb vor einigen Jahren ein paar wunderschöne Tage mit meiner großen Liebe, ehe diese später nach fast sieben Jahren auf schockierende Weise vor die Wand fuhr. Ein würdiger Ort also.

 

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