Marokko
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Merzouga – Ein Hauch von Wüste

Die Dünen des Erg Chebbi

Die Dünen des Erg Chebbi

Zwitschernde Vögel, Sonne, der Blick schweift über die Dünen des Erg Chebbi. Morgen im Riad Nezah in Merzouga.

Die Autofahrt von Ouarzazate bis hierher war lang und anstrengend, was nicht zuletzt an den 60 km lag, die ich falsch fuhr. Auf meiner Marokko Karte wirkte es, als sei die Route über Zagora zwar länger, aber die bessere Wahl; die Straße sah deutlich größer aus als die alternative Route. In Zagora angekommen fragte ich vorsichtshalber nach und fand heraus, dass die „große Straße“ eine nur mit Allrad befahrbare Piste ist. Also hieß es umdrehen. Mein Ärger hierüber verflog schnell, denn unterwegs gibt es tolle Landschaften zu sehen und ich hielt oft an, um zu fotografieren.

Trotzdem war ich ein wenig getrieben, denn am Vormittag hatte ich zufällig bei der Jagd auf ein tolles Foto an derselben Stelle gehalten, wie Bruno und seine Mutter (die beiden Franzosen, die ich in Marrakesch kennengelernt hatte). Auch sie wollten nach Merzouga und wir verabredeten, dass ich sie an ihrer Unterkunft treffen und auf einen einsamen Kamelritt in die Dünen begleiten würde. Dank meiner insgesamt 120 Km Umweg und dem kleinen Sandsturm in den vor Rissani geriet und der mich – neben den knietiefen Schlaglöchern – zum langsamer fahren zwang,  wurde daraus nichts, aber das gemeinsam genossene Tajine war toll.

Fotostop auf der Route

Fotostop auf der Route

Man findet in der Wüste nur, was man mitbringt

Ich wollte nicht in einer Gruppe in die Wüste, sondern allein, aber ob mit Jeep oder Kamel, die Preise waren ganz schön happig. Vor allem, weil noch Vorsaison war und die Anzahl der Touristen in Merzouga noch überschaubar. Ich lief also erst einmal so ein Stück in die Dünen.

Es war wunderschön, doch dann wurde ich unfassbar traurig. Der ganze Schmerz darüber, auf welch unwürdige Weise meine Beziehung geendet war, meine ganze Verletzlichkeit, alles spülte nach oben und überschwemmte mich. Man sagt, dass man in der Wüte nur findet, was man mitbringt und dieses Erlebnis bestätigte das.

Ich war nachdenklich und traurig in den Tag gestartet und Bam! Etwas komisches hatte die Situation aber auch, als dann mein Handy piepte und der Grund für meine Trauer mir schrieb. Tränenüberströmt lief ich zurück zum Auto. Die Berber, die mir eine Stunde vorher einen Kamelritt hatten andrehen wollen, müssen gedacht haben, ich sei komplett durchgeknallt. Energisch meine Ablehnung lamentierend war ich entschlossen in die Dünen gestapft, mit Rotznase kam ich wieder heraus.

Nach diesen aufwühlenden Stunden wollte ich einen klaren Kopf kriegen, das Wasser im Pool des Riad war frisch eingelassen und eiskalt und tat seine Wirkung.

Riad Nezah, Merzouga

Riad Nezah, Merzouga

Am Abend fuhr ich mit Brahim, dem Besitzer des Riad im Jeep zum Sonnenuntergang in die Wüste. Ich hatte es geschafft, ihn zweimal zu beeindrucken. Bei meiner Ankunft, weil ich als Frau alleine im Dunkeln durch einen Sandsturm (so wild war der wirklich nicht) fuhr und dann weil ich nicht locker ließ und ihn überzeugte, mich alleine, aber für einen guten Preis in die Dünen zu fahren.

Brahim ist sehr geschäftstüchtig und hat viel von der Welt gesehen, in der Wüste lernte ich aber seine weiche Seite kennen. Er fuhr mit mir zu zwei, drei wirklich schönen Spots und ehe die Sonne unterging liefen wir in unterschiedlichen Richtungen vom Jeep weg in die Dünen, so dass wir beide dieses wunderschöne Naturschauspiel jeweils ganz für uns alleine hatten. Die Unterhaltung mit Brahim hatte mir gut getan und so war die Wirkung der Wüste ganz anders als noch am Morgen. Es war schön und warm, die untergehende Sonne verlieh dem Wüstensand alle paar Minuten eine andere Farbe. Zudem konnte man von den Dünen aus Algerien sehen. Am Abend half ich Brahim bei einem Tee, eine E-Mail an einen deutschen Buchverlag zu schreiben und bekam danach ein tolles Abendessen von ihm.

Wüste, Merzouga

Wüste, Merzouga

Wüstensand

Wüstensand

Dieses Bild ist eines von vielen, das ich am Abend an meine Freundin Silvana schickte und sie schrieb mir, dass es für sie Ninas Neuanfang symbolisiere: „Mit kleinen Schritten in ein neues Leben“. Auch in den Monaten nach meiner Reise und noch kurz vor ihrem Tod sagte sie mir, dass dieses Bild für sie den Neuanfang symbolisiere und ihr Kraft gebe, wenn sie traurig war. Für mich waren es nur die Füße im Sand gewesen, aber klar, die Entscheidung, gerade diese Reise alleine anzutreten und mich mit meinen Gefühlen zu konfrontieren, war auch ein Neuanfang. So etwas wird einem ja manchmal erst viel später richtig klar.

Unterwegs nach Merzouga

on the road

on the road

Camels crossing

Camels crossing

unterwegs nach Merzouga

unterwegs nach Merzouga

Erg Chebbi

Erg Chebbi

Das Erg Chebbi ist übrigens ca. 22 Kilometer lang und in der Hauptsaison überfüllt mit Touristen. Wer einen Hauch von Wüstenfeeling erleben möchte, kommt besser in der Nebensaison.

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